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Leitideen sozialdemokratischer Bildungspolitik

Bildung ist mehr als Schule! - Bildung im umfassenden Sinn
Ein breites Bildungsverständnis überwindet die Trennung des Lernens in formelles, nicht-formelles und informelles Lernen. Die engen Zuständigkeitsgrenzen zwischen Familie (= Erziehung), Schule (= Bildung) und Jugendhilfe (= Betreuung) müssen aufgehoben werden.

Auf den Anfang kommt es an! - Verhinderung früher Auslese als Voraussetzung gerechter Lebenschancen
Bildung beeinflusst entscheidend die Lebenschancen jedes Einzelnen. Deswegen müssen alle die gleichen Chancen und dasselbe Recht haben, am Bildungsprozess teilzuhaben - von Anfang an. Bildung ist immer auch eine "soziale Frage". Wer jungen wie alten Menschen die Teilhabe verwehrt, gefährdet den Zusammenhalt der Gesellschaft.

Bündnisse mit der Wirtschaft schmieden und Verantwortung einfordern! - Gleiche Bildungschancen als Gebot wirtschaftlicher Vernunft
Bildung entscheidet maßgeblich über die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Sie ist die wichtigste Ressource. "Bildungsarmut" verursacht hohe volkswirtschaftliche Schäden. Gleiche Bildungschancen sind deshalb auch ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft.

Dazugehören! - Integration von Benachteiligten als Herausforderung und Chance
Jeder Mensch hat das Recht auf gleiche Bildungschancen - unabhängig von Herkunft, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, sozialer oder individueller Beeinträchtigung. Egal ob es sich um Menschen mit Behinderungen oder mit Migrationshintergrund handelt - das Bildungssystem muss zu ihrer Integration beitragen.

Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung! - Gestaltung der Lebensbedingungen als sozialstaatliche Aufgabe
Die vorrangige Verantwortung für die Erziehung von jungen Menschen liegt bei den Eltern. Gleichzeitig brauchen wir eine stärkere öffentliche Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen, die in ihren Familien nicht die notwendige Unterstützung erfahren. Das Verhältnis von privater und öffentlicher Erziehung muss neu justiert werden.

Niemand wird zurückgelassen! - Individuelles Fördern und Fordern als Strukturprinzip
Optimale Lern- und Entwicklungsleistungen können nur dann erreicht werden, wenn Jeder und Jede individuell gefördert wird. Individuelles Fördern und Fordern muss zu einem Strukturprinzip in allen Bildungseinrichtungen werden. Diese Philosophie bricht mit dem selektiven Charakter unseres Bildungssystems.

Ideologische Fixierungen überwinden! - Schulstruktur als Vehikel, nicht als Ziel von Reformen
Schulstrukturreformen sind kein Selbstzweck. Sie haben eine der Pädagogik dienende Funktion und tragen entscheidend dazu bei, die Lehrund Lernbedingungen an den Schulen zu verbessern. Eine Reform der Schulstruktur ist aus inhaltlichen und Gerechtigkeitsgründen notwendig. Die Maxime lautet: längeres gemeinsames Lernen.

Wirksamkeit verbessern! - Bildungserfolg als Ergebnis von Autonomie und Evaluation
Bildungseinrichtungen brauchen einen größeren Freiraum für eigenständige Entscheidungen. Insbesondere Schulen tragen künftig im Rahmen der staatlichen Vorgaben die Verantwortung für den Lernerfolg ihrer Schüler. Evaluation von innen und von außen unterstützt diesen Prozess.

Eltern unterstützen! - Eltern- und Familienbildung als Voraussetzung pädagogischer Bündnisse
Die Grundsteine für lebenslange Bildungsprozesse werden in den Familien gelegt. Damit alle Eltern dieser wichtigen Aufgabe auch nachkommen können, brauchen sie spezielle Bildungsangebote. Die Kooperation von Bildungseinrichtungen und Eltern ist zu einer wirkungsvollen Erziehungs- und Bildungspartnerschaft weiter zu entwickeln.

Ehrenamt nicht missbrauchen! - Professionelle Pädagogik als Kernpunkt, Ehrenamt als Ergänzung
Kernpunkt nachhaltiger Bildungsprozesse ist die Professionalität ihres Personals. Der notwendigen Professionalisierung steht aber eine immer wieder ins Spiel gebrachte "Entprofessionalisierung" und eine (Neu-)Entdeckung des Ehrenamtes gegenüber. Das Ehrenamt ist jedoch kein Ersatz für staatlich zu verantwortende Bildung, sondern Ergänzung.